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Roman Hermann, Bernhard Klug
© Roman Hermann, Bernhard Klug
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Wohnhaus S_34

Als südwestlicher Abschluss eines von einer ringförmigen Straße umgebenen Wohnquartiers entstand 2014 ein nur 6 m breites, giebelständiges Wohnhaus. In Nordrichtung wird das Gebäude durch eine vorgesetzte Garage sowie einen in gleicher Formensprache ausgebildeten Gartenhof abgeschlossen. Das gesamte Gebäude ist hüllenähnlich von horizontal gesetzten Lärchenholzbrettern umschlossen. Sowohl die Fassaden- als auch die Dachflächen wurden dabei in einem wilden Verband verkleidet. Durch diese expressive Fassadengestaltung entsteht einerseits ein homogenes Erscheinungsbild, gleichzeitig konnten auf diese Weise Einbauten wie Dachrinnen und Rohre unter der Fassade verschwinden. So wurde eine geradlinige und scharfkantige Gebäudekontur erzeugt, welche die präzise Sachlichkeit des Wohnbaus ausmacht.

© Roman Hermann, Bernhard Klug
© Roman Hermann, Bernhard Klug

Nach Osten zum Nachbarhaus beschränkt sich das Gebäude auf nur wenige Fensteröffnungen, die jeweils als gelochte Teilflächen in der komplett verschalten Fassade zu erahnen sind. Ein großflächiges, übereck verglastes Panoramafenster öffnet das Gebäude nach Süd-Westen und ermöglicht damit Blickbezüge bis zu den Hügeln des Neckartals. Das Fenster ist durch einen umlaufenden Sichtbetonrahmen gefasst, der als feststehender Sonnenschutz dient und gleichzeitig Platz für eine zusätzliche Markise bietet.

Durch die umlaufende Brettschalung wird die traditionelle Dachausformung bei dem Entwurf pointiert verfremdet und lässt eine einheitliche monolithische Gebäudekubatur entstehen. Hinter gelochten, flächenbündig gesetzten Faltschiebeläden verbergen sich im Dachgeschoss diverse Fensteröffnungen sowie eine eingesetzte Loggia. Im Innenraum entstehen durch die transparent strukturierte Fassade spannende Lichtreflexe, die eine orientalisch anmutende Wohnatmosphäre schaffen.

Solarhybrid-Kollektoren belegen passgenau Teile des Ostgiebels und verdeutlichen damit nach außen den ökologischen Ansatz der Haustechnik. Der solare Ertrag wird sowohl für die Heizenergie, als auch für Warmwasser verwendet. Zusätzlich konnte durch die hochgedämmte Holzfassade, Dreifachverglasung und eine Innendämmung aus Glasschaum eine Energieeffizienz von KfW  70 erreicht werden.

Über einen mit Muschelkalksplitt belegten Gartenhof wird das Haus erschlossen, der außerdem als geschützter Freiraum und offenes Atelier fungiert. Die Geschosse des Wohngebäudes sind weitgehend als offene Räume konzipiert. Im Erdgeschoss wurde quer zur Längsrichtung eine Rohstahltreppe eingesetzt. Raumwinkel aus Sichtbeton in brettverschalter Optik schaffen in Verbindung mit der Treppe weitere Raumteiler, ohne den Gesamtraum dabei zu unterbrechen. Im Obergeschoss befindet sich ein offener Galeriebereich mit tiefliegenden Sichtfenstern sowie private Schlafräume und ein Badezimmer. Ein frei gesetzter, glatt geschalter Betonkubus im Dachgeschoss dient als Kleiderablage und Raumteiler.

Räumlich befindet sich das Projekt in einem städtischen Randgebiet mit ländlichem Charakter und zum Großteil giebelständigen, traditionellen Satteldächern. Bei dem Entwurf entschieden sich die ArchitektInnen daher ebenfalls für diese Dachform, jedoch mit einem asymmetrisch geformten Giebel.

Aus Sicht der PlanerInnen kann zeitgemäße Architektur nur durch die einfühlsame Einordnung in den bestehenden Raum und die umliegende Bebauung entstehen. Dabei soll das Gebäude jedoch keinesfalls untergeordnet sein, sondern eine selbstbewusste und moderne Formensprache verkörpern, was msm Schneck mit dem Haus S_34 eindeutig gelungen ist.

Baujahr
2014
Bauherr
Privat
Fläche
161 m² WF
Standort
Schönblick 34
73732 Esslingen
Auszeichnungen
veröffentlicht in Häuser des Jahres 2016

msm Schneck

msm Schneck Architekten Innen Architekten
Rathausplatz 7
73728 Esslingen
Deutschland

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