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 Ralph Feiner
© Ralph Feiner
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Villa MM - Domizil und Domäne

Die Villa MM befindet sich in einer von Weinanbau geprägten Landschaft mit voralpinem Charakter. Das Rheintal, dessen sanft abfallende Hänge aus einer Überlagerung von Schuttflächen und Wildbächen bestehen, stellt nicht zuletzt durch sein mildes Klima einen attraktiven Wohnort dar. Das von Weitem in seinen Abmessungen und Proportionen schwer zu fassende, archaisch wirkende und kompakte Bauwerk fügt sich durch seine vertikal gestaltete Fassade in die umgebende Kulturlandschaft mit ihren Weinreben ein. Das für zwei Personen konzipierte Wohnhaus offenbart – ein Topos aus der Geschichte der Architektur des Wohnhauses – zwei verschiedene Gesichter: die repräsentative Schaufassade und die rückseitige Gartenfassade. Kein Material sollte beim Entwurf eine allzu große Dominanz ausstrahlen. Beton wurde in erster Linie als statisch wirksamer Baustoff eingesetzt und erst der Blick aus der Nähe zeigt, dass der hellgraue Neubau aus unterschiedlichen Materialien zusammengesetzt wurde. Glatt geschalte Sichtbetonflächen erhielten eine Ausfachung mit sägerauem Holz. Bei der Gartenfassade wurde das Materialkonzept um mineralischen Putz ergänzt. Ein perlgrauer, verbindender Anstrich homogenisiert das Gefüge und schafft den authentischen Charakter des Wohnhauses. Zweigeschossige vorgegraute Holzlamellen verbinden die beiden Hauptfassaden übereck in harmonischen Abständen auf ungewohnte Weise. Die Öffnungen sind in Douglasienholz gefasst und setzen einen wertigen Akzent. Die warmen Materialien schaffen eine Verbindung des Hauses mit der umgebenden grünen Natur.

© Ralph Feiner
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Die Grundstruktur aus Stahlbeton definiert die Haupträume auf den drei Geschossen. Für die ArchitektInnen stand hierbei die sinnvolle Proportionierung der Räume an erster Stelle. Die Decke der stützenfreien Erschließungshalle auf Straßenniveau wurde an den Wänden der darüberliegenden Obergeschosse aufgehängt. Dieses auf den ersten Blick simpel wirkende Prinzip erweist sich in den Gebäudequerschnitten als kom­plexes System, welches in Zusammenarbeit mit dem Baustatiker Josef Dora erarbeitet wurde. Die Wände der Wohnräume im Erdgeschoss wirken als aussteifende Scheiben, während sie im Obergeschoss klassischer als raumteilende Elemente eingesetzt wurden. Das Gebäude besteht innenräumlich aus mehreren L-förmigen Ecken, die in ihrer verschachtelten Anordnung die einzelnen Räume aus Nischen herausbilden.

Die umgebende Stahlbetonkonstruktion wirkt als Rahmen der übrigen Materialien. Hierfür entwickelten die ArchitektInnen eine ganz eigene Tektonik, um die Fassaden in ihrem architektonischen Ausdruck zu gestalten. Als Ergebnis dieser Vorgehensweise entfaltet das Gebäude einen fast tempel-artigen Charakter.

Der Bau wird auf Höhe des Wohngeschosses über den Garten erschlossen. Der zentrale Teil der Fassade aus naturbelassenem Douglasienholz bildet mit dem Eingang und dem sechs Meter hohen Fenster den Mittelpunkt des Hauses. Das Entree ist in Sichtbeton gehalten und über das große Fenster mit dem Garten verbunden. Der Lichteinfall lässt die Halle je nach Blickwinkel des Betrachters wie einen offenen Innenhof erscheinen. Sie mündet im Erdgeschoss in die Küche, welche zur unverbauten Landschaft hin orientiert ist. Der angeschlossene offene Wohn- und Essbereich erhält ergänzend einen separaten abschließbaren Raum.

Die Villa MM von Felix Held Architekt vereint ästhetische architektonische Eleganz mit einer nachhaltigen und energieeffizienten Bauweise.

Baujahr
2014
Standort
7208 Malans
Schweiz
Beteiligte
Tragwergsplanung Conzett Bronzini Partner, Chur

Felix Held Architekt

Felix Held Architekt
Oberer Selviweg 62
7208 Malans
Schweiz

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