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Carsten Krohn
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Villa M

Die im Jahr 2012 entstandene Villa M von HS Architekten entfaltet ihr hochwertiges Wohnkonzept vor allem aus einer engen Zusammenarbeit mit dem Bauherrn bei der Entwicklung der Gebäudestruktur. Das Ergebnis ist ein stark individualisiertes Raumkontinuum, das im Dialog mit seiner direkten Umgebung steht und den BewohnerInnen durch flexible Konfigurationen verschiedene Nutzungsszenarien ermöglicht. Somit schafften die Architekten es, einerseits den markanten Baukörper mit ausdrucksstarken fließenden Räumen und andererseits mit privaten Oasen entsprechend den Anforderungen der NutzerInnen zu versehen. Technische Ausstattungen im Rahmen des Smarthome-Konzepts erhöhen die Flexibilität in der Nutzung weiter und optimieren das Gebäude ebenfalls durch moderne Komponenten aus der Energie- und Vernetzungstechnik.

Die Villa M befindet sich im räumlichen und historischen Kontext der Villenkolonie im Forst Grunewald aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Dichtes Grün und ein eigener Gartenanteil prägen in der Regel den Zuschnitt der Grundstücke vor Ort. In diesem Fall entwickelte sich das Grundstück jedoch in nördlicher Ausrichtung zur Straße und ein Bebauungsplan grenzte die mögliche Kubatur weiter ein. Die städtebaulichen Kriterien brachten somit bereits einige Einschränkungen an den Entwurfsprozess heran, welcher in der Folge nach einer Optimierung der Formgebung zur bestmöglichen Ausnutzung der nördlich gelegenen Gartenfläche verlangte. Das Resultat ist ein markanter, minimierter Baukörper, welcher sich am Verlauf der Sonne orientiert, auf diese Weise sowohl die Eigenverschattung als auch die Verschattung der Gartenfläche so gering wie möglich hält und eine fließende Verbindung zwischen Topografie und Gebäude schafft. Nach diesem Anspruch entstand ein zentrales überdachtes Atrium mit Schwimmbecken, um welches herum sich die Raumbereiche des Erdgeschosses anordnen. Dies bot die Möglichkeit, weiteren Tageslichteintrag von oben zu erhalten, welcher die Lichtversorgung durch die großzügigen Verglasungen in der Fassade ergänzt.

Die öffentlichere Erdgeschosszone zeichnet sich durch ihre hohe Flexibilität und eine starke Verzahnung mit dem durch das dichte Grün geprägten Außenraum aus. Je nach Nutzungsszenario lassen sich verschiedene Bereiche über elektrisch verschiebbare Vorhänge zusammenschalten oder voneinander abtrennen.

Im Zusammenspiel mit dem großen Öffnungsgrad der Fassade entstehen starke, fließende Räume zwischen dem Innen- und Außenbereich, welche sich über eine geschwungene Freitreppe bis ins erste Obergeschoss fortsetzen. Als Gegenpol zu den offenen Raumbereichen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss befinden sich im zweiten Obergeschoss die privaten Räume der Familie. In sich abgeschlossen zeigen sich jedoch auch hier wieder individualisierte Raumabfolgen wie sie in den Kinderzimmern erlebbar werden: Eine höher gelegene Spielebene verbindet die separaten Zimmer wiederum zu einer räumlichen Einheit im privaten Bereich.

Die Verbundenheit mit dem Ort wird in der Fassadengestaltung deutlich. Das Dach – bestehend aus einem mit grünem Tartan überzogenen Betonfaltwerk – verbindet den Garten nahtlos mit dem höchsten Punkt des Gebäudes und bettet den Baukörper zusätzlich farblich in den natürlichen Raum ein. Ein weiterer Verweis auf den Sonnenverlauf als entwurfsbestimmendes Kriterium findet sich in der Gestaltung der geschlossenen Fassadenbereiche. Diese sind mit Fliesen aus Feinsteinzeug verkleidet, welche aufgrund ihrer gekanteten Struktur mit dem Verlauf der Sonne ein interessantes Spiel von Licht und Schatten auf der Fassade entfalten und dieser mehr Tiefe verleihen.

Unter geschickter Anwendung der zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten erreichten HS Architekten ein hochwertiges Wohnkonzept, welches den BewohnerInnen eine flexible und individuelle Nutzung ihres Lebensraums ermöglicht. Im Entwurfsprozess der Villa M stand neben der Integrierung technischer Errungenschaften allerdings besonders die direkte Einbindung der Natur in den Wohnraum im Vordergrund.

Baujahr
2012
Bauherr
Christian Malorny
Fläche
589 m² BGF
Standort
Berlin - Forst Grunewald
Deutschland
Beteiligte
Tragwerksplanung HU-Tragwerksplanung Bauphysik Axel C. Rahn Medienplanung M integration Außenanlagen Atelier 8

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