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Alexander Ring
© Alexander Ring
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Umbau eines denkmal geschützten Hauses

Die erstmals 1462 urkundlich erwähnte Hofstelle befindet sich im westlichen Sauerland und gilt als wesentlicher historischer Nachweis für die Besiedlung und Bebauung des Tals. Das ursprünglich landwirtschaftlich genutzte Gebäude erfuhr in den letzten Jahrhunderten einige Umstrukturierungen, Umbauten und Erweiterungen. Der älteste Teil des denkmalgeschützten unterkellerten Ensembles befindet sich im Nordosten und wurde später um ein weiteres Gebäude im Südwesten ergänzt. Die Zwischenräume wurden 1648 geschlossen und die Gebäudeteile dadurch in die heutige Kubatur überführt. Bei der Sanierung und dem Umbau des Gebäudes zu einem Wohnhaus durch KKW Architekten standen der größtmögliche Erhalt schützenswerter Bausubstanz sowie die Entwicklung von wirtschaftlichen und funktionalen Lösungen im Vordergrund. Die neu hinzugefügten Bauteile und Materialien sollten deutlich als moderne »Zutat« unserer Zeit ablesbar sein. Nach einer restauratorischen Untersuchung wurde das Sanierungskonzept in enger Zusammenarbeit von ArchitektInnen, BauingenieurInnen, BauphysikerInnen und der Denkmalbehörde erarbeitet.

© Alexander Ring
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Im Vordergrund des räumlichen Konzepts stand die Rückführung der Kleinteiligkeit im Grundriss, die durch die Eingriffe im 20. Jahrhundert entstanden war. So wurde durch die Wiederherstellung einer großen Diele im Mittelbereich des Gebäudes eine zentrale Erschließungszone für sämtliche Räume geschaffen. Im südwestlichen Teil des Erdgeschosses wurden die Räume zu einem großen Wohn- und Essbereich zusammengefasst. Die ursprüngliche Raumstruktur bleibt jedoch durch die bestehenden Fachwerkstiele ablesbar und das partielle Herausnehmen von Deckenfüllungen und Balken verschaffte dem Gebäude eine neue Großzügigkeit und Vernetzung beider Geschosse. Die Bausubstanz wurde in sämtlichen Bereichen sorgfältig saniert und ertüchtigt. In den nicht unterkellerten Bereichen des Erdgeschosses wurde der Lehmboden ausgeschachtet und eine neue Sohlplatte erstellt. In den Gewölbekellern wurde dieser Aufbau über den Gewölben an die Scheitel herangeführt, abgedichtet und durch eine Fussbodenheizung und Sichtestrich erweitert.

Die bestehenden Bruchsteinwände wurden raumseitig mit Kalkputz beschichtet, das Flecksteinmauerwerk der Außenfassaden beibehalten, Altanstrichte entfernt und ein mineralisches Anstrichsystem aufgebaut. Die fehlende horizontale Abdichtung wurde thermisch durch eine eingeputzte Sockelheizung kompensiert. Neue Holzfenster mit der ursprünglichen Sprossenteilung und speziell gefertigte Türelemente wurden unter Berücksichtigung der bestehenden Proportionen angefertigt. Die ArchitektInnen ergänzten und erneuerten Teile der Innenwände der Hofstelle. In diesem Zuge wurde im Obergeschoss der Mittelflur gekürzt und so ein großzügiger Badbereich geschaffen. Im Erdgeschoss wurde ein geschliffener fugenloser Zementestrich eingebaut, welcher durch Rheinsandzuschläge und Ockerpigment eine beige Färbung erhielt. Die abschließende Imprägnierung bildet eine seidig matte Oberfläche, welche einen ruhigen und harmonischen Hintergrund für die historischen Details des Orts darstellt. Im Obergeschoss wurden geölte Eichendielen verlegt und teilweise die Bestandsdielen aufgearbeitet, geschliffen und durch Beizen farblich angeglichen. Die im nordöstlichen Erdgeschoss neu eingebaute Decke aus geölten Eichenmassivholzbalken wurde in den Zwischenfeldern mit glattem Gipskarton ausgefacht. Im südwestlichen Bereich konnten die Holzbalkendecken mit Kalkputz auf Drahtziegelgewebe belassen werden.

Dem denkmalgeschützten Haus wurde durch die Sanierung von KKW Architekten wieder eine Nutzung zugeführt, welche die Grundlage für das schadenfreie Weiterbestehen des Hauses und all seinen Details darstellt. Die Kombination aus historischer Bausubstanz, sorgfältiger Auswahl von natürlichen und zurückhaltenden Materialien, und einer modernen architektonischen Detailqualität macht die ehemals archaisch anmutenden Räume zu atmosphärischen Orten mit hoher Aufenthaltsqualität. Die neuen Materialien und Details betonen die Merkmale des Ortes und arbeiten ein ablesbares Nebeneinander der Zeitschichten heraus.

Baujahr
2012
Fläche
424 m² BGF
Standort
Westliches Sauerland
Beteiligte

Tragwerksplanung HEG Ingenieure, Dipl. Ing. Christoph Driller

Bauphysik bauplus, Ratingen, Dipl. Ing. Markus Oetzel

Holzgutachter Ingenieurbüro Ulrich Arnold, Castrop-Rauxel

KKW Architekten

Kaldewey, Wortmann, Architekten Partnerschaftsgesellschaft mbB
Gustav-Adolf-Str. 4
58507 Lüdenscheid
Deutschland

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