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Christiane Koch
© Christiane Koch
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Nachhaltig Verdichtet

Über ein Spiel mit Offenheit und Geschlossenheit des Baukörpers schafften Meyer Terhorst Architekten mit dem hier gezeigten Wohnprojekt zur Nachverdichtung ein äußerst hochwertiges Raumkonzept. Im Kontext einer reinen Wohngegend in Bremen mit einem Baugrundstück in zweiter Reihe haben sich die ArchitektInnen der Frage gestellt, wie man Privatsphäre bei einer gleichzeitig gewünschten Offenheit des Wohnraums erreichen kann.

Das Grundstück wurde von den Planern nachhaltig zur Verdichtung des Siedlungsraumes genutzt. Über eine schmale Gasse erschlossen, weist das Grundstück zu allen Seiten Berührungspunkte zur Nachbarschaft auf, wodurch sich unumgänglich die Frage einer angemessenen Adressierung und Ausrichtung des Baukörpers stellt. Zur Gasse hin wird das Grundstück mittels gestaffelter Sichtbetonwände in Kombination mit blickdichten Zaunlamellen abgeschirmt, um die Erdgeschosszone mit dem Garten vor Blicken zu schützen.

© Christiane Koch
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Die klare Kubatur des Baukörpers fügt sich aus ineinander geschobenen Kuben zusammen, aus denen der Kamin skulptural als vertikales Element hervorbricht. Die Erdgeschosszone ist großflächig nach Süden und Westen mit direktem Bezug zum Garten verglast und lässt sich in diesen Bereichen über schwellenlose Glaselemente vollständig öffnen. Durch die stark transparente Anmutung des gläsernen Erdgeschosses wirken die eher geschlossenen Kuben des Obergeschosses trotz ihrer Massivität leicht und nahezu schwebend. Des Weiteren entsteht ein fließender Raum zwischen den offenen Wohnräumen und dem Garten, welcher lediglich durch die Sichtbetonwände an den Rändern des Grundstücks begrenzt wird. Aus dieser Kombination ergibt sich für diesen Bereich eine große Offenheit, welche nichtsdestotrotz private Räume ermöglicht. Ebenso wird durch die räumliche Wirkung das gesamte Grundstück als Wohnraum genutzt und der südlich gelegene Garten optisch mit in den Innenraum integriert.

Im Obergeschoss zeigen sich die Kuben dagegen massiver mit größeren geschlossenen Fassadenanteilen. Dies ermöglicht es dem zur Verwendung gekommenen gräulichen dänischen Ziegel sein changierendes Materialspiel zur Geltung zu bringen. Die Öffnungen der Kubatur im oberen Bereich konzentrieren sich vor allem auf die südliche Fassade. An dieser Stelle wirkt der Baukörper subtraktiv ausgehöhlt, wodurch lediglich ein umlaufender Rahmen aus Ziegeln verbleibt. Nach Ost und West öffnet sich die Fassade hingegen stärker in Form einzelner Öffnungen in der Fläche.

Seine Offenheit betonend ist das Gebäude sowohl von Osten, Norden als auch Westen zu erschließen. An der östlichen Seite gelegen wird man durch den Haupteingang eintretend von einer skulptural ausgearbeiteten Treppenanlage empfangen, welche ins Ober- und Untergeschoss führt. Hier wird das Motiv der Sichtbetonwände wieder aufgegriffen und als verbindendes, vertikales Moment der Treppe variiert. Die Materialpalette wird um einen dunklen Holzhandlauf erweitert, der zunächst in die Sichtbetonwand eingelassen ist und sich dann als Abdeckung fortführt. Ein weiteres beeindruckendes Gestaltungselement ist eine übergroße, einteilige Glasscheibe, welche als transparente Absturzsicherung die Treppe zur Eingangstür abgrenzt. Darüber schweben schließlich minimalistisch gehaltene Lampenschirme, deren Anordnung in der Höhe die Steigung des Treppenlaufs nachempfinden.

Die räumliche Struktur des Erdgeschosses ist insgesamt sehr offen gehalten. Die Nutzungsbereiche sind größtenteils nur durch feste Möbel und Einbauten zoniert um den Raumfluss zu betonen, wodurch ein zusammenhängender Wohnraum entsteht. Die starke horizontale Verbindung zum Außenraum wird ebenfalls durch die Materialität der Räumlichkeiten unterstützt. Boden und Decke bilden markante Gegenpole, zwischen denen die Sphäre der Wände in Weiß in den Außenraum ausläuft. Während der durchgehende Boden aus dem gleichen dunklen Holz mit kräftiger, warmer Färbung und starker Maserung besteht, ist die Decke als markante Sichtbetonoberfläche in einem Sandton gestaltet worden.

In ihrer Struktur noch leicht die Maserung der Holzschalung aufweisend scheint sie als Abdruck des Bodens mit diesem zu korrespondieren. Aus diesem Zusammenspiel der Materialien in Farbigkeit und Struktur wird der Raumfluss von innen nach außen betont. Das Thema der Verschmelzung mit dem Außenraum wird ebenso im Obergeschoss fortgesetzt. Ein innenliegender, umlaufender Erschließungsflur führt zu den Schlafräumen, welche alle mit bodentiefen Verglasungen versehen sind.

Durch das gekonnte Spiel zwischen Offenheit und Geschlossenheit wird so eine starke Verbindung zwischen dem Innen- und Außenraum geschaffen ohne die Privatsphäre der BewohnerInnen zu vernachlässigen. Das Wechselspiel zwischen Leichtigkeit und Massivität bringt die verwendeten Materialien eindrucksvoll zur Geltung und bedient sich einer klaren und reduzierten Formensprache.

Baujahr
2014
Fläche
286 m² Nutzfläche
Standort
Bremen
Deutschland

Meyer Terhorst Architekten

Meyer Terhorst Architekten
Langelohstraße 149a
22549 Hamburg
Deutschland

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