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Landhaus bei Potsdam

Intimität und Privatheit im Eigenheim stellte für Tillmann Wagner Architekten BDA neben dem Ortsbezug die grundlegende Thematik für das Konzept des Landhauses bei Potsdam dar. Der Anspruch der Architekten bei dem Entwurf, den Stereotyp des Raumprogramms eines typischen Einfamilienhauses neu zu ordnen und in Orte für gewünschte Gemeinsamkeit und individuellen Rückzug zu wandeln, manifestiert sich in der Aufgliederung des Landhauses in klar ablesbare sowie programmatisch, materiell und räumlich differenzierte Pavillons: ein langes, schlankes »Küchenhaus« mit kompakten Funktionsräumen wurde gleich einer Gartenmauer zur angrenzenden Nachbarbebauung positioniert.

© Tillmann Wagner Architekten
© Tillmann Wagner Architekten

Im Süd-Westen des Grundstücks befindet sich das »Kinderhaus« mit drei Kinderzimmern, die jeweils einen direkten Zugang zum Garten besitzen. Zukunftsorientiert lassen sich die Innenwände des Kinderpavillons später einfach entfernen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Der so neu entstehende, große Raum kann nach Wunsch und Anspruch individuell genutzt werden. Das Wohnzimmer befindet sich in einem quadratischen Pavillon mit Nord-West-Ausrichtung. Fenster und Türöffnungen sind hier kaleidoskopartig angeordnet und ermöglichen dadurch Blicke in innere und äußere Landschaftsräume.

Quer über dem Küchen- und Kinderhaus platziert, befindet sich zur Straße hin der vierte Pavillon, das »Elternhaus«. Dort finden sich neben Arbeitszimmer, Ankleide, Bad und Sauna das Elternschlafzimmer sowie der Zugang zu einer Dachterrasse über dem Kindertrakt im Erdgeschoss. Zwischen dem Kinder- und Küchenhaus führt im Erdgeschoss der Hauseingang direkt in das Entree des Landhauses mit einer Freitreppe. Nach dem Durchgang öffnet sich der »Gartensaal«, welcher als Ess- und Spielraum die räumliche und lebensweltliche Mitte des Hauses bildet. Nach Westen ist dieser Bereich mit bodentiefen Glasschiebetüren, die sich über die gesamte Breite ziehen, zur Terrasse und zum Garten hin geöffnet. In Nordrichtung führt der Raum über einen kleinen Freisitz zum Gartenkarree. Runde Oberlichter in der Decke bewirken eine lebendige Tageslichtstreuung und ermöglichen bei Dunkelheit Blicke in den Nachthimmel.

Die äußere Erscheinung des Landhauses unterstreicht mit einem Spiel aus steinernen und hölzernen Hauskörpern das Pavillon-Konzept des Entwurfs. Im Außenbereich wurde großer Wert darauf gelegt, hochwertige und charaktervolle Materialien zu verwenden, bei denen bewusst die Veränderung durch die Witterung mit eingeplant wurde. So kann und soll sich das Landhaus mit der Zeit und mit ihrer Patina verändern. Beim Kinder- und Küchenhaus kam ein Muschelkalkputz in zwei Tönungen zum Einsatz, während die restlichen Gebäudeteile mit einer stark profilierten Lamellenhülle aus unbehandelten Zedernholz-Rombus-Profilen versehen wurden, die bei der Alterung einen zarten grau-silberfarbenen Ton annehmen wird. Alle Stufen, Abdeckungen sowie die Fensterbänke sind in grauem Betonwerkstein ausgeführt.

Städtebaulich bildet das Landhaus in einem geplanten Ensemble von insgesamt drei Häusern das größte Gebäude. Auf dem Grundstück wurde es so positioniert, dass das hier befindliche Bodendenkmal sowie die vorgefundene Vegetation unberührt blieben.

In den Augen der Architekten zeichnet sich zeitgemäße Architektur im Bereich Wohnen dadurch aus, dass sie sich von den überholten Klischees der typischen Familie befreit und stattdessen Konzepte für zukünftige und zeitgemäße Formen des Zusammenlebens bietet. Es sollen, wie es auch bei dem Landhaus der Fall ist, Räume angeboten werden, die je nach den sich verändernden Bedürfnissen der BewohnerInnen immer wieder neu programmiert werden können.

Baujahr
2008
Fläche
250 m² WF
Beteiligte

Lichtberatung LichtVision, Berlin

Landschaftsarchitektur Peter Bergander

Tillmann Wagner Architekten

Tillmann Wagner Architekten BDA
Choriner Straße 85
10119 Berlin
Deutschland

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