Logo des Deutschen Architektur Verlages
Simon Menges
© Simon Menges
Buch
EBook
App

Haus Stein

In einem Ortsteil der Gemeinde Eisleben in Sachsen-Anhalt wurde zwischen 2010 und 2013 von JAN RÖSLER ARCHITEKTEN eine ehemalige Scheune aus den 1930er-Jahren für eine Wohnnutzung umgebaut. Der Grundgedanke für die Umnutzung der Backsteinscheune war es, das äußere Erscheinungsbild weitgehend zu erhalten und somit den Charakter des Ensembles zu bewahren. Da sich die Scheune in einem geschlossenen Dorfkern befindet und allseitig von weiteren Höfen und Nutzgebäuden umgeben ist, war es den Architekten wichtig, die gewachsene städtebauliche Struktur nicht durch einen zu großen Eingriff zu gefährden. Die wenigen Veränderungen an der Fassade erfolgten daher sehr behutsam und sind auf den ersten Blick nur subtil wahrnehmbar. Das neue innere Erscheinungsbild des nun als Ferienhaus genutzten Gebäudes zeigt sich erst, wenn die hölzernen Läden und Tore geöffnet werden. Sind diese geschlossen, präsentiert sich der Bau bei Abwesenheit der Nutzer wieder gänzlich in seiner ruralen und ursprünglichen Form als Scheune.

© Simon Menges
© Simon Menges

Die innere Organisation des Ferienhauses ergab sich im Entwurfsprozess durch die Lage der Stahlträger in der Preußischen Kappendecke des Bestands. Auf dieser Grundlage wurde die innere Raumaufteilung sowie die Positionierung von Öffnungen in der Decke bestimmt. Der vorhandene Deckenaufbau wurde somit bewusst erhalten und in der Konsequenz das Treppenauge in die vorhandene Trägerkonstruktion geschnitten. Zwei Nutzungsbereiche gliedern den Wohnraum entsprechend der Bedürfnisse der BewohnerInnen. So ist das Erdgeschoss mit seiner roheren Materialauswahl und Farbgebung eher für die Tagesnutzung konzipiert, während sich im Obergeschoss Schlafbereiche und ruhigere Räumlichkeiten zur abendlichen Nutzung befinden. Trotz der Offenheit des Gebäudes ist so für ausreichend Rückzugsmöglichkeiten mit privater Atmosphäre gesorgt.

Wie bei vielen Projekten des Büros JAN RÖSLER ARCHITEKTEN wurden bei diesem Entwurf zum Großteil natürliche und nachhaltige Baumaterialien eingesetzt. Dies zeigt sich exemplarisch bei der Verwendung einer Holzweichfaserinnendämmung für die Innenwände sowie einer Flachsdämmung im Dachbereich. Für ein verbessertes Raumklima wurden die Innenwände außerdem mit einem natürlichen Lehmputz versehen. Alle angefallenen Bauarbeiten wurden durch die an das Büro angegliederte Baufirma umgesetzt, was sich in Form von detailorientierten Arbeiten mit hoher handwerklicher Qualität bemerkbar macht. Durch die Versorgung mit regenerativen Energien von einer solarthermischen Anlage, einem Photovoltaik-System sowie einem eigenen Windkraftgenerator kann eine weitestgehend energetische Unabhängigkeit erreicht werden.

Den Architekten war es wichtig, in ihrem räumlichen Konzept – insbesondere im Bereich der Fassade – die vorhandene Baustruktur zu erhalten; für die neue Raumgestaltung dienten daher existierende Fassadenöffnungen als Grundlage. Darüber hinaus ist der Grundriss als »offenes Haus« konzipiert: Türen sind zwar vorhanden, müssen zur Abgrenzung in der Praxis aber nur selten geschlossen werden. Die Architektur des Ferienhauses wurde so gezielt auf die Bedürfnisse der NutzerInnen abgestimmt, um für diese eine höchstmögliche Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Baujahr
2013
Bauherr
Privat
Fläche
245 m² NF
Standort
Druxberge
Deutschland
Auszeichnungen
HÄUSER 2016 (2. Platz), Fritz Höger Preis 2014, Häuser des Jahres Award 2013, Hans-Schäfer-Preis 2013 (2. Platz), Hannes-Meyer Preis 2015 (Anerkennung)

JAN RÖSLER ARCHITEKTEN

JAN RÖSLER ARCHITEKTEN
Zossener Str. 50
10961 Berlin
Deutschland

Weitere Projekte