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Haus H+P

Durch die dezidierte Materialwahl bei dem hier gezeigten Anbau an einen Bestand aus den 1950er Jahren macht das Büro kleindienst 2 Architekten den Dialog zwischen Alt und Neu in seiner Architektur deutlich ablesbar. Im Zuge der Sanierung wurden die Wohnräume aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts in helle und moderne Wohnbereiche mit einem zeitgenössischen Raumkonzept transformiert.

In Friedrichshafen am Bodensee gelegen befindet sich das Grundstück in zweiter Reihe hinter der offenen, straßenseitigen Nachbarbebauung. Über einen Erschließungshof im Osten und eine schmale Gasse an den Straßenraum angegliedert entwickelt sich das Grundstück in Nord-Süd Ausrichtung. Klar definiert schmiegt sich das Ergänzungsgebäude in Holzständerbauweise an den Bestand. Sowohl die Formensprache des Eingriffs als auch die Materialwahl machen die Lesbarkeit beider Epochen problemlos möglich: Der zweigeschossige kubische Anbau mit Holzfassade aus lasierter Weißtanne schiebt sich in den verputzten Satteldach-Ziegelbau – zwei Gegensätze, die zusammen ein neues Ganzes ergeben.

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Auch im Inneren wurden starke Veränderungen vorgenommen, um das neue Raumkonzept an die zeitgemäßen Anforderungen einer vierköpfigen Familie anzupassen. So wurde die kleinteilige Grundrissstruktur des Bestands aufgebrochen und durch neue Flächen im Anbau erweitert. Auf diese Weise entstand ein offener Lebensraum im Erdgeschoss mit starker visueller und räumlicher Beziehung zur Gartenfläche. Er zeichnet sich durch die offene Wohnküche und den angrenzenden Kaminraum aus, welcher durch zwei Stufen topographisch abgesetzt wird. Eine neue Erschließungstreppe ins Obergeschoss gliedert sich an den offenen Wohnbereich an und trennt die Kommunikationsbereiche im Erdgeschoss von den privaten Rückzugsräumen.

In beiden Geschossen werden durch die gezielte Positionierung von raumhohen Verglasungen und Schiebeelementen Blickbeziehungen in die umgebende Natur besonders gestärkt. Im unteren Stockwerk erweitert sich so der Lebensraum über das Terrassendeck räumlich in den Garten. Eine ähnliche Verglasung stellt im Elternschlafzimmer im Obergeschoss direkten visuellen Bezug zum Freiraum her und setzt von außen als Broschenfenster einen Akzent in der Fassadengestaltung. Angrenzend an das Schlafzimmer bietet die Dachterrasse einen privaten Rückzugsort im Außenbereich.

Im ganzen Haus schaffen Bodenbeläge aus zementgebundener Bodenbeschichtung und Eichenholz entsprechend der Raumnutzung eine moderne und hochwertige Atmosphäre – eine Weiterführung des reduzierten Gegensatzpaars Alt und Neu. Ansprechende Details, wie eine integrierte Sitznische im Schlafzimmer oder ein um 360° schwenkbarer Kamin im Erdgeschoss werten die Räume zusätzlich auf.

Die verschiedenen Raumbezüge sowie die neuen Raumfolgen wurden im Entwurfsprozess durch zahlreiche Modellstudien überprüft und mit dem Bauherrn kommuniziert. Auf diese Weise sehen die Architekten im Dialog mit dem Auftraggeber und allen weiteren Projektbeteiligten den entscheidenden Weg zum Ziel eines unverwechselbaren Produkts, das sowohl Planungsteam als auch Bauherr vollends überzeugen kann und den komplexen Ansprüchen heutiger, vielschichtiger Projektplanung gerecht werden kann.

Baujahr
2014
Fläche
Neubau 45 m², Bestand 180 m² WF
Standort
Friedrichshafen
Deutschland
Beteiligte

Tragwerksplanung Josef Widmann

Fassadenbau Holzbau Forster

Außenanlagen Stefan Zigelli Garten- und Landschaftsbau

kleindienst 2 Architekten

Kleindienst Architekten GbR
Hasenweidweg 27
88131 Lindau
Deutschland

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