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Peter Eichler, Mario Hein
© Peter Eichler, Mario Hein
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Haus Boscha

»Architektur als Maßanzug« ist nach eigener Aussage das selbsterklärte Ziel des Architekturbüros Die Kollegen − Gebäude, die vollkommen auf die Anforderungen und Bedürfnisse der NutzerInnen eingehen und auf diese bis hin zum letzten Detail der Einrichtung zugeschnitten sind. So haben die Architekt­Innen und DesignerInnen auch bei diesem Projekt vom ersten Entwurfsgedanken bis zur finalen Einrichtung an der Gestaltung der Räume eine enge Beziehung zu den BauherrInnen und leben Details gemeinsam vom Grundstein bis zum Möbelstück.

Als Eckgebäude einer Blockrandbebauung im gründerzeitlichen Zentrum Leipzigs gelegen, zeigt sich Haus Boscha in exponierter Lage und entfaltet so seinen skulpturalen Charakter. Zwei autonome Gebäudeeinheiten fügen sich mit ähnlichem Aufbau zu einem Gebäudekomplex über die Ecksituation zu­sammen. Trotz der Ähnlichkeit der inneren Struktur bleiben diese sehr individuell und erzeugen durch Variation gleicher gestalterischer Elemente eigenständige räumliche Situationen.

 © Peter Eichler, Mario Hein
© Peter Eichler, Mario Hein

Von außen betrachtet beschränkt sich der Baukörper auf eine eher schlichte Materialwahl, welche den kubischen Charakter unterstützt. Glatte, weiß verputzte Fassadenflächen nehmen sich zurück und stellen die Form in den Fokus. Lediglich die zurückversetzten Eingangsbereiche an den Ecken werden durch einen Materialwechsel zu Naturstein hervorgehoben und als Einschnitte in den Kubus ausgezeichnet. Lange Fensterbänder schneiden horizontal und vertikal weiter in die Fassade ein und gliedern diese. Durch die Rücksprünge im Erdgeschoss lagert die Skulptur optisch nur auf einem schmalen Streifen und scheint zu schweben.

In der Fassade eine Einheit bildend entwickeln sich beide Gebäudeteile über eine großzügige Lobby in die Höhe. Schon in der Eingangshalle zeigen viele kleine Details die Arbeitsweise des Büros: Unter der Faltwerktreppe aus Holz lädt eine Sitzbank aus Beton mit verspielten Blattgoldornamenten zum Verweilen ein und verdeutlicht den skulpturalen Anspruch der PlanerInnen an die Architektur. Von der jeweiligen Lobby aus entwickeln sich beide Wohneinheiten über drei Obergeschosse zu hellen Wohnräumen mit moderner Materialauswahl. Warme Holzelemente kontrastieren Sichtbetonwände und Estrichböden, welche der konstruktiven Rationalität des Gebäudes entlehnt sind.

Alle Räume zeigen den spielerischen Umgang mit architektonischen und künstlerischen Details, der immer wieder in den Dialog mit puristischen Formen und Materialien tritt. So finden sich beispielsweise mehrfach verschiedene von Mario Hein entworfene Leuchten im barockisierenden Stil vor klar ausgeformten Sichtbetonwänden oder anderen schnörkellosen, raumbildenden Elementen. Die Kultivierung des Ornaments ist, beispielsweise in Form der Blattgold-Applikationen an Betonelementen, wiederholt zu finden und trägt unverkennbar die Handschrift des Planungsteams.

Auf diese Weise erhält das Gebäude einen hohen Wiedererkennungswert und bietet gleichzeitig maßgeschneiderte Raumlösungen für die NutzerInnen. Ebenso ist die allumfassende Gestaltung ein wesentlicher Anspruch der ArchitektInnen bzw. DesignerInnen und reicht von reiner Architektur über Innenraumausstattung und Möbeldesign bis zu Einrichtungsgegenständen und Grafiken. Das Ergebnis sind bis ins kleinste Detail abgestimmte Räume mit heller und charakterstarker Atmos­phäre.

Baujahr
2010
Fläche
550 m² und 450 m² BGF
Standort
Leipzig
Deutschland

Die Kollegen

Die Kollegen
Spinnereistraße 7
04179 Leipzig
Deutschland

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