Logo des Deutschen Architektur Verlages
Tobias Wille
© Tobias Wille
Buch
EBook
App

Haus Blumenthal

Zur Interbau Ausstellung in Berlin im Jahr 1957 entstand dieses Gebäude als großzügiges Wohnhaus mit integrierter Augenarztpraxis des namensgebenden Professors Blumenthal. Der ursprüngliche Entwurf stammte von den Architekten Klaus ­Kirsten und Heinz Nather. Im Erdgeschoss öffnete sich das Gebäude damals großzügig in den Gartenbereich. Das Obergeschoss verfügte über eine ausladende Terrasse in Richtung Garten sowie zur Straße gerichtete Balkone, welche im Zuge der Umbaumaßnahmen später jedoch verschlossen wurden, um mehr Wohn­fläche im Innenraum zu schaffen. Damals wurden die Betonwände zum Teil aus dem Schutt der kriegszerstörten Gebäude, die einst im Hansaviertel standen, hergestellt. Die Architekten wählten bei dem Entwurf typische Materialien der 50er­ und 60er­Jahre, wie etwa Klinker und Sichtbeton, erst später wurden diese Flächen verputzt. Nach diversen Umbauten und einer längeren Phase des Leerstands wurde das Gebäude 2001 zu einem großzügigen Wohnhaus umgebaut und zum Teil überformt. Die Straßenfassade veränderte sich in dieser Zeit enorm, eine Pergola wurde verschlossen, Kamine aufgesetzt sowie die Eingangshalle mit angrenzender Treppe umstrukturiert. Die Umplanungen für eine junge Familie verlangten dann ab 2012 nach einem zeitgemäßen Innenraumkonzept, das durch neue Materialien und Formen geprägt ist, die jedoch auf den ursprünglichen Entwurf aus den 50er Jahren Bezug nehmen.

 © Tobias Wille
© Tobias Wille

Durch die Innenarchitektur wurde der bauzeitliche Grundriss im Zuge der Sanierung subtil ablesbar gemacht. Die Fassaden zur Straße, die Pergola und die Lichtbänder wurden wieder geöffnet, um das Gebäude offener und lichtdurchlässiger zu machen. Im Sinne der Denkmalpflege wurde auch die Fassade umgestaltet und zum Teil zurückgebaut.

Im Erdgeschoss sorgt das Innenraumkonzept dafür, dass der zentrale Wohnraum in drei spezifische Räume für verschiedene Funktionen transformiert wurde. Diese sind jeweils mit verschiedenen Materialien bekleidet. So dominiert in der Bibliothek Eiche, während die Küche mit Aluminium und die Gartenlounge mit grünem Leder ausgestattet wurde. Das Zentrum des Wohngeschosses bildet ein Bereich mit einer mehrfarbigen Sitzlandschaft sowie einem spannungsvoll geformten Esstisch. Im Obergeschoss wurden drei Raumkörper eingestellt, die Bäder und Ankleiden aufnehmen und mit unterschiedlich strukturierten Linoleumarten bekleidet wurden. Der zentrale Treppenraum ist mit dafür konzipierten Kunstwerken gestaltet; die Grenzen zwischen Architektur und Kunst lösen sich auf und durchdringen einander: Die filigrane Wandzeichnung von Maria Hinze geht beispielsweise in die lichtdurchfluteten Textilien über, ist somit auch von außen auf den Vorhängen sichtbar und eröffnet assoziativ neue Räume.

Das gesamte Projekt zeichnet sich durch eine behutsame, subtile, zeitgenössische Gestaltung der spannungsvollen Innen­- und Außenräume aus. Der Innenraumentwurf unterscheidet dabei konzeptionell zwischen dem öffentlichen Erdgeschoss und dem privaten Obergeschoss: Während das Erdgeschoss räumlich miteinander verbundene Bereiche durch den Einsatz vielfältiger Materialien differenziert, entstanden im Obergeschoss intime Orte des Rückzugs. Alle verwendeten Materialien überzeugen durch ihre hohe Qualität. Perfekt ausgeführte Tischlereinbauten runden das Konzept ab und verdeutlichen nochmals die umfassende und intelligente Planung, wie sie bei den Projekten von wiewiorra hopp schwark architekten zugrunde liegt.

Bauherr
Privat
Fläche
427 m² WF
Standort
Händelallee 67
10557 Berlin Hansaviertel
Deutschland
Auszeichnungen
Auswahl für das Berliner Architekturjahrbuch 2014 und für die Ausstellung » da! Architektur in und aus Berlin« 2014
Beteiligte
Wandzeichnung Maria Hinze Wandobjekt Maik Teriete

wiewiorra hopp schwark architekten

wiewiorra hopp schwark architekten
Planckstraße 25
10117 Berlin
Deutschland

Weitere Projekte