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Adolf Bereuter
© Adolf Bereuter
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Haus am Fels

Das Haus am Fels von HELENA WEBER ARCHITEKTIN ZT befindet sich in unmittelbarer Nähe zu einem bewaldeten Gebiet oberhalb eines durch Schluchten geprägten Tales, in dem sich die Ill mäandernd ihren Weg in Richtung Rhein bahnt. Die Kubatur fügt sich ruhig in die ursprüngliche Natur ein und steht im Kontext lockerer Wohnbebauung, welche sich über die letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte in ortsbildender und typologischer Hinsicht oft weiterentwickelt und sowohl additive als auch subtraktive Veränderungen erfahren hat. Entwurfsprägend war hier die Verwendung lokaler Materialien unter Einbeziehung örtlicher Ressourcen.

Der Neubau dient als Wohnraum für eine Familie, die seit Generationen eng mit der umgebenden Natur, dem Ort und den Menschen in Verbindung steht. Die Symbiose aus moderner Lebenswelt und dem Bezug zum Lokalen sollte durch den Entwurf manifestiert werden. Auf der Grundlage der Typologie des Wohnhauses wurden klassische Strukturen, den gegenwärtigen Anforderungen entsprechend, überdacht, erweitert und durch eine modifizierbare Grundrissaufteilung flexibel gestaltet.

Die in den Felsen gebaute Kubatur ermöglicht durch die effiziente Nutzung des Geländes auf beiden Ebenen die Entfaltung einer vielfältigen raumbildenden Landschaft. Mit wenigen, präzise erarbeiteten architektonischen Gesten entstand mit dem Haus am Fels ein Ort, der neben schützenden Rückzugsbereichen auch Raumsequenzen mit großzügigen Öffnungen und Ausblicken zum Tal ermöglicht. Ausgehend von einem hangseitig erreichbaren Erschließungsbereich eröffnen sich den BewohnerInnen die verschiedenen Nutzungen, die klar zoniert angelegt wurden und dennoch eine Sequenz aus ineinanderfließenden Räumen von hoher architektonischer Qualität ergeben. Die sonnige Südterrasse schützt den Wohnbereich vor zu starker Aufheizung und bildet eine additive Fortführung des Inneren in den umgebenden Außenraum.

 © Adolf Bereuter
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Ein überdachtes Terrassendeck im Südwesten des Neubaus gestattet den ebenerdigen Zugang vom Essbereich zum Garten und eröffnet den ungestörten Blick ins Tal. Der helle, fächerartig gefasste Innenhof bildet in Kombination mit der großzügigen Wohnlandschaft eine zusammenhängende räumliche Einheit, welche den Innenraum ergänzt, auch im Winter natürliche Belichtung bietet und einen Ort der Kontemplation und Ruhe schafft. Im Sommer wirkt die Baumkrone im Zentrum des meditativen Halbaußens als angenehmer Schattenspender.

Das massive Sockelgeschoss aus Sichtbeton beherbergt die privaten Rückzugsräume, von denen der Garten ebenfalls ebenerdig erreicht werden kann. Kontrapunktierend scheint das Wohngeschoss in Holzbauweise über der in den Hang gebauten Kubatur zu schweben. Die Architektin sah hierfür einen rhythmischen Fächer aus tiefen Weißtannenlamellen vor, welcher den Korpus mit verschiedenen Transparenzgraden umhüllt. Das hierdurch entstehende Spiel mit offenen und geschlossenen Elementen erzeugt im Innenraum eine belebte und dynamische Reichhaltigkeit aus Licht und Schatten. Durch die Verwendung natürlicher Baustoffe wird zudem eine ruhige Klarheit erzeugt, wodurch auch die dem Gelände angepasste Raumentwicklung spürbar wird. Materialien aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen wurden unter Einbeziehung des lokalen traditionellen Handwerkes gefertigt und verbaut. Das Haus am Fels stellt so das Ergebnis einer intensiven und gelungenen Auseinandersetzung mit dem spezifischen Ort, seiner umgebenden Natur und seiner architektonischen Prägung dar.

Baujahr
2014
Auszeichnungen
International Architecture Award 2015, Vorarlberger Holzbaupreis - Auszeichnung

HELENA WEBER ARCHITEKTIN ZT

HELENA WEBER ARCHITEKTIN ZT
Am Kehlerpark 5/23
6850 Dornbirn
Österreich

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