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dma deckert mester architekten
© dma deckert mester architekten
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H6

Der Bau H6 von dma deckert mester architekten zeigt sich auf dem einstigen Kasernengelände Barbarossahof in Erfurt als Glied einer Kette ähnlich geschnittener Einfamilienhäuser, die nicht nur aufgrund ihres Standorts die Assoziation mit einer Reihe Soldaten zulässt. Dessen ungeachtet zeugt dieses besondere Projekt von einem beispielhaften Umgang mit den äußerst rigiden Vorgaben eines straffen Bebauungsplans.

In Kubatur und Farbigkeit extrem vorbestimmt und von der benachbarten Bebauung kaum zu unterscheiden, zeigt sich die Individualität dieses Gebäudes erst in der Ausarbeitung seiner Details und der Form seines Innenlebens. Der Bebauungsplan sah freistehende Einfamilienhäuser mit Grenzbebauung auf der Nordseite und 3,50 m breiten Zwischenräumen vor. Nach Osten fällt das Gelände über einen kurzen Hang zur Innenstadt hin ab und wird von Westen her erschlossen. Die Auswahl der Farbigkeit der Fassade wurde durch den Bebauungsplan auf zwei Weißtöne eingeschränkt; der Sockelbereich wurde in hellem Klinker gestaltet um einen Bezug zum gegenüberliegenden Kasernengebäude herzustellen und das Gebäude so in seinem städtebaulichen Kontext zu verorten. Neben dieser tadellosen aber eher unprätentiösen Außenwirkung sind es allerdings die feinen Einzelheiten der Innengestaltung und der innovative Umgang mit Raum unter strengen Einschränkungen, die das qualitativ hochwertige Konzept dieses Projekts ausmachen.

 © dma deckert mester architekten
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Die exakt vorgegebene Kubatur erlaubte zwei Vollgeschosse mit einem Untergeschoss und einer Dachterrasse. Differenzierte Raumhöhen auf der Wohnebene erzeugen angemessene Raumproportionen und -wahrnehmungen entsprechend der jeweiligen Nutzungen. So sind im Erdgeschoss die Kinderzimmer mit Gartenanbindung angeordnet, während sich die Wohn- und Elternräume im ersten Obergeschoss in Verbindung mit der darüber liegenden Dachterrasse befinden und sich mit einer Raumhöhe von 3 m stärker zum Außenraum öffnen. Die Dachterrasse bietet schließlich einen weiten Ausblick nach Osten auf die Stadt und ihren Dom.

Der Kubus wurde von den Architekten mit prägnant gesetzten Öffnungen sowohl in der Fläche als auch an den Gebäudekanten und subtraktiven Eingriffen in Form einer Loggia gestaltet. So kann letztere fast übergangslos über Schiebeelemente in den innen liegenden Wohnraum integriert werden und so als Fortführung des Innenraums in den Außenraum verstanden werden. Die strengen Vorgaben bezüglich der Ausmaße wurden in der Klarheit des Baukörpers durchgehend weiter verfolgt und in letzter Konsequenz sogar auf Attikableche verzichtet, um die klare Form nicht zu schwächen.

Ein weiterer Kunstgriff der Architekten zeigt sich im Untergeschoss: Zum einen ermöglichen hier zusätzliche Nassbereiche die Trennung des Gebäudes in zwei Wohneinheiten, zum anderen wurde eine elegante Lösung für die Belichtung des Untergeschosses gefunden. Über einen in die Kubatur eingeschnittenen Tiefhof an der Ostseite des Gebäudes mit eigener Freitreppe kann ausreichend Tageslicht in die unteren Räume gelangen und gleichzeitig für den unteren Bauteil ein eigener privater Außenbereich geschaffen werden. Als vertikales Verbindungselement dient eine skulptural ausgearbeitete Treppenanlage, die sich mit ihrer Klarheit an das Äußere des Kubus anlehnt.

Das Projekt zeigt eine maßgeschneiderte und individuelle Lösung, die trotz des scheinbar unverrückbaren Korsetts des Bebauungsplans ein herausragendes räumliches Konzept mit hoher Qualität zuließ.

Baujahr
2014
Fläche
271 m² Wohnfläche, 75 m² Nutzfläche
Standort
Erfurt
Beteiligte
Tragwerksplanung Ingenieurbüro Heinicke Kostenkontrolle Wolfgang Loß

dma deckert mester architekten

deckert mester architekten gbr
Blumenstraße 7
99092 Erfurt
Deutschland

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