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Stefan Müller
© Stefan Müller
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Doppelvilla am Jurasüdfuß

Zwischen 2011 und 2012 entstand am Fuß des Jura-Gebirgszugs in der Schweiz eine Doppelvilla für eine dreiköpfige Familie. Während die eine Hälfte des Hauses von der Familie selbst bewohnt wird, wird der andere Teil vermietet. Um die größtmögliche Privatheit zu gewährleisten, verfügen beide Gebäudeteile über separate Eingänge, Garagen und einen jeweils eigenen Gartenbereich. Räumlich ist das Projekt klar in die umgebende Landschaft eingebunden. Nach Norden dominiert der imposante Jurahöhenzug, während sich im südlichen Tal das Schweizer Mittelland bis zu den Alpen erstreckt. Das Gebäude richtet sich nach dem Gebirgsverlauf parallel zur Hangkante aus und öffnet sich auf der Gartenseite ins Tal. Auch im Innenraum setzt sich diese räumliche Situation konzeptionell fort. So ist das Gebäudevolumen durch eine durchgehende Möbelwand in einen nördlichen, hangseitigen und einen südlichen, talseitigen Bereich getrennt. Sämtliche Räume des ständigen Aufenthalts entwickeln sich entlang des Hangs nach Süden und sind großzügig verglast. Auf der Nordseite liegen mit Blick auf die Jurabergkette Eingangs- und Gästebereich sowie die Erschließung. Das Obergeschoss, in dem sich die Schlaf- und Ankleideräume sowie die Bäder befinden, zeichnet sich durch die nach Süden ausladenden Loggien aus. Durch die Auskragung werden sowohl im oberen Geschoss, als auch im Erdgeschoss großzügig nutzbare Außenbereiche geschaffen.

© Stefan Müller
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Eine Fassade aus fein vorfabrizierten Sichtbetonelementen markiert den massiven Charakter des Gebäudes. Durch das Versetzen der einzelnen Sichtbetontafeln wird das Volumen des Hauses betont und gestärkt. Die konstruktive Herausforderung bestand darin, die archaische Anmutung der Bergwand in eine architektonisch konstruktive Sprache zu übersetzen und die komplexen und differenzierten Anschlussdetails heutiger moderner Wohnbauten hinter der Einfachheit des Ausdrucks verschwinden zu lassen. Material und Farbigkeit thematisieren die Distanz zwischen Innen und Außen, also zwischen Wohnen und Landschaft. Durch die Neutralität der Innenräume wird der Ausblick in die Umgebung besonders inszeniert.

Die ArchitektInnen vergleichen ihre Projekte mit einem literarischen Werk: Architektur verfügt nach ihrem Verständnis über ein eigenes Vokabular, Grammatik und Syntax und besitzt die Fähigkeit, mit dem Ort, der Zeit und den NutzerInnen zu kommunizieren. Häuser sollen Geschichten erzählen können und damit dies gelingt, braucht es ein besonders tiefes Empfinden für die Zeit und den Ort, den Raum, seine Proportionen und seine Materialität.

Baujahr
2012
Bauherr
Privat
Fläche
815 m² BGF
Standort
Fallernweg 7/9
4515 Oberdorf
Österreich
Auszeichnungen
Häuser des Jahres 2013, AIT International Luxury Living Application Award 2012
Bausumme
1,7 Mio. Euro
Beteiligte
Tragwerksplanung WAM Planer und Ingenieure, Bern/Solothurn

ern+ heinzl Architekten

ern+ heinzl Architekten
St. Urbangasse 38
4500 Solothurn
Schweiz

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