Logo des Deutschen Architektur Verlages
Maximilian Meisse
© Maximilian Meisse
Buch
EBook
App

Den Himmel im Haus

Für einen Liebhaber südländischer Wohnformen wurde eine Villa mit zentralem Lichthof in Potsdam errichtet. Die innere »Piazza« als zentraler Wohnraum lieferte das Sujet für den Neubau. Wie in mediterranen Vorbildern ist der zentrale Hof in den Obergeschossen von umlaufenden Galerien eingefasst, jedoch mit einer Glasdecke den klimatischen Verhältnissen angepasst worden. Das Innere des Hauses besitzt seine besondere Atmosphäre durch den stets präsenten Himmel im Haus − am Tag und in der Nacht.

Mit seiner kompakten Kubatur integriert sich die Villa in das städtebauliche Ensemble der historischen Potsdamer Villen- und Landhauskolonie. Der Bauplatz wurde mittig auf dem langgestreckten Grundstück positioniert. Dadurch entstand viel Platz für blickgeschützte Privatheit des Naturteichs und der Liegewiesen im Garten und eine großzügige halböffentliche Auffahrts­situation zur Straßenseite hin.

© Maximilian Meisse
© Maximilian Meisse

Das kassettierte Glasdach und die Klimatisierung des 11 m hohen Patios ermöglichen eine ganzjährige Nutzung des Hofs als vollwertigen Wohnraum und selbstverständlichen Lebensmittelpunkt aller BewohnerInnen. Die Leichtigkeit und Offenheit in der inneren Gestaltung kontrastiert bewusst die äußere Kompaktheit der Villa. Die PlanerInnen zeigen hier exemplarisch den Ansatz einer Architektur, die auf eine Symbiose von modernem »Lifestyle« und traditionellem Gestaltungsvokabular gerichtet ist. Wie bei einem traditionellen Patiohaus lagern sich alle Wohnnebennutzungen ringförmig um den zentralen Hof an. Vom Erdgeschoss bis zum Kuppelraum mit der Oberlichtdecke verjüngen sich die Raumdimensionen jeweils durch aus­kragende Galerien. So kann sich das Licht bis auf die Erdgeschossebene kegelförmig ausbreiten. Da die Haupthalle in allen Geschossen stützenfrei und modern wirken sollte, gestaltete sich der Lastabtrag der massiv gemauerten Lichtkuppel statisch als sehr anspruchsvoll. Aus diesem Grund wurde die im Massivbau errichtete Außenhülle der Villa im Inneren mit einer auskragenden Stahlskelettkonstruktion kombiniert.

Durch die Anordnung des Raumprogramms um die zentrale Halle bietet sich den NutzerInnen die Möglichkeit, viele Orte im Haus auf unterschiedlichen Wegen – und somit ohne eine monotone Raumabfolge – zu erreichen. Im Erdgeschoss ergeben sich außerdem eindrucksvolle Sichtbezüge, die von den Bauherren ausdrücklich gewünscht wurden. So lässt sich schon beim Betreten des Hauses in der Hauptsichtachse die Halle, die Orangerie und der Naturteich im Garten erblicken.

Aus Sicht der ArchitektInnen sollte sich die architektonische Qualität eines Bauwerks durch seine Nachhaltigkeit langfristig bestätigen. Moderne Bauwerke müssen daher der gebauten Umwelt gegenüber in ethischer Verantwortung stehen. Für die Arbeit des Büros ist die Dialektik von Ganzheitlichkeit im gestalterischen Denken und das Streben nach der Konsistenz des Geschaffenen der zentrale Maßstab jeden Entwurfs. Den intensiven Dialog mit den Bauherren sehen CG VOGEL ARCHITEKTEN vor allem als kreative Chance bei der Suche nach neuen und individuellen gestalterischen Lösungen. Die Philosophie des Büros gründet sich auf der Überzeugung, dass ein über Generationen hinweg überlieferter gestalterischer Fundus der Architekturgeschichte überlegt, sensibel und weiterentwickelt in das aktuelle Baugeschehen eingehen sollte.

Baujahr
2012
Fläche
915 m² NF
Standort
Potsdam
Deutschland

CG VOGEL ARCHITEKTEN

CG VOGEL ARCHITEKTEN
Uhlandstraße 160
10719 Berlin
Deutschland

Weitere Projekte